PN Radal Siete Tazas

Kneippkur in den chilenischen Anden

17.-19.10.2008

Camping im Grünen
Markus landet Freitagmorgen pünktlich um 6 Uhr 30 am Flughafen Santiago. Den Rest des Tages hat er frei, also frühstücken wir, packen die restlichen Sachen ein und machen uns auf den Weg nach Süden. Nur 200 Kilometer von Santiago entfernt liegt der Nationalpark Radal Siete Tazas (die 7 Tassen), der erst kürzlich von der Reserva (Schutzgebiet) zum Parque Nacional aufgestiegen ist. Bei bestem Wetter parken wir am frühen Nachmittag auf dem Campingplatz und können uns zu keiner größeren körperlichen Anstrengung mehr aufraffen, als die Umgebung zu inspizieren, den Grill anzufeuern und erstaunt festzustellen, dass wir sogar Zeltnachbarn haben.
der erste Halt im Park Velo de la Novia - der Brautschleier
Samstag früh schaffen wir es immerhin, um elf Uhr am Conafhäuschen aufzutauchen und uns über den Weg zu informieren. Uns erwarten zehn Kilometer durch mehr oder weniger dicht bewaldetes Gebiet, hoch über dem Río Claro, bis zum Refugio El Bolsón. Wir programmieren also unsere neueste technische Errungenschaft, das GPS, und laufen los.
An der ersten Schutzhütte löscht Markus aus Versehen schon den aufgezeichneten Track, wir brauchen noch ein bißchen Übung.
Sperre für Pferde, Kühe, Mofas und Übergewichtige Frühlingserwachen
Was der Ranger übrigens als unwichtig zu erwähnen erachtet hat, sind vier Bäche, die momentan durch das viele Schmelzwasser einen höheren Wasserstand haben als im Sommer, und über die keinerlei Brücke führt. Ansonsten wären wir vielleicht auf die Idee gekommen, die Badelatschen mitzunehmen. So balancieren wir von Stein zu Stein über den ersten Bach, der trotz reißenden Wasser flach und leicht zu queren ist. Der zweite Bach, auf den wir eine halbe Stunde später treffen, ist schon breiter und weniger felsengespickt. So marschiert Markus zwar gekonnt hinüber, beim Versuch mir zu helfen steht er jedoch genau auf dem von mir anvisierten Stein, so dass ich daneben trete und mit einem durchweichten Schuh und tropfendem Socken das andere Ufer erreiche.
nasser Füße nach Bachquerung auf halbem Weg
Aber die Sonne scheint und das kalte Bad ist schnell vergessen. Eine weitere halbe Stunde später stehen wir allerdings vor einer größeren Herausforderung. Ein deutlich tieferer Zufluss des Río Claro will gequert werden, ansonsten findet unsere Wanderung ein schnelles Ende. Am Ufer liegt unter einem Baum ein schlafender Wanderer, ob der wohl hieran gescheitert ist? Markus macht sich auf die Suche nach einer passenden Stelle und winkt nach einer Weile schon vom anderen Ufer. Aber dort, wo er von einem abschüssigen Felsen zum nächsten gesprungen ist, gähnt meiner Meinung nach ein zu breites und tiefes Loch, durch das das rauschende Wasser hindurchschießt. Schließlich sind meine Beine ein paar Zentimeter kürzer.
unzureichende Brücke Aufstieg durch Bachbett
Nach zwanzigminütiger Suche haben wir die einzige Stelle entdeckt, an der ich einen beherzten Sprung wagen würde. Ein abrutschen würde hier kein Fuß- sondern ein Ganzkörperbad nach sich ziehen. Aber schließlich ist auch das geschafft. Bald entdecken wir die ersten Schneereste am Weg und nach zwei weiteren Stunden sehen wir unser Ziel, das Refugio, in der Ferne. Als wir in das Hochtal absteigen, entdecken uns 7 erschöpfte Wanderer im Schatten, zu deren Gruppe der Zurückgelassene am Fluß gehört. Sie haben sich die Tour wohl einfacher vorgestellt und fast zwei Stunden länger bis hierher gebraucht als wir.
Schnee ab 1500 Meter der Colmillo del Diablo
Wir laufen runter zum Fluss, der wenige hundert Meter weiter direkt aus dem Schnee und Eis am Ende des Tals entspringt. Auch hier existiert keine Brücke, also bleibt uns nichts übrig, als barfuss zu queren, denn es liegen keine passenden Steine im Wasser. Dafür ist er flach, glitschig und eiskalt. Wir beißen die Zähne zusammen, balancieren mit den Wanderstöcken durch die Fluten und haben nach Sekunden schon kein Gefühl mehr in den Füßen. Das stellt sich jedoch gleich am anderen Ufer wieder ein, als die Füße schmerzen als ob sie jeden Moment abfallen wollten.
Die Zuschauer vom anderen Ufer können gar nicht glauben, was sie da sehen und treten lieber gleich den Rückweg an. Wir spazieren noch zum Mirador mit Blick auf einen Wasserfall und picknicken dann im Schatten des Refugios.
Hochtal El Bolsón Refugio El Bolsón
Auf dem Rückweg erwartet uns das gleiche zweifelhafte Wasservergnügen, jetzt sind wir aber schon routinierter. Am vorletzten Bach treffen wir wieder auf die Wandergruppe, trotz ihres einstündigen Vorsprungs. Die acht Herren im besten Alter sind ziemlich geschafft, den langsamsten überholen wir mitten im Bach, woraufhin er sich von den Kollegen einiges anhören muss. Kein Chilene läßt sich schließlich ungestraft von einer Frau abhängen.
Als wir nach 8 Bächen und 9 Stunden wandern am Zelt eintreffen, wird es schon dunkel.
Der Vater aller Coigues und das ist erst ein Drittel vom Baum
Sonntag morgen schlafen wir wohlverdient aus, spazieren noch einen einstündigen Waldlehrpfad ab und fahren anschließend zurück zum Parkeingang, wo die Hauptattraktion wartet, die Sieben Tassen. Ein Rundweg führt hinunter zum Fluss, der sich sein Bett und die Tassen in die Felsen geschliffen hat.
sechs von sieben Tassen die siebte Tasse
Wir klettern hinunter zum Wasser, zur siebten Tasse und ihrem großen Wasserfall, dann geht es endgültig zurück zum Auto.
die 7. Tasse von oben Markus im Bambuswald
Auf dem Rückweg, entweder auf den 50 Schotterkilometern oder auf der Ruta 5 fangen wir uns irgendwo einen alten Nagel mit dem linken Vorderreifen ein, sodass wir am nächsten Morgen einen ziemlichen Platten haben. Sowas ist in Chile aber kein größeres Problem: Reifen abnehmen, den Taxifahrer unseres Vertrauens anrufen, Reifen in seinen Kofferraum deponieren (was aufgrund der Größe unseres Reifens noch fast das größte Problem darstellt) und eine Stunde warten. Taxifahrer entlohnen und Reifen wieder aufziehen. Kostenpunkt: Vulkanisieren des Reifens 4000 Peso (5 Euro) + Taxiservice 6000 Peso (8 Euro), und das auch nur, da er vom anderen Ende der Stadt anreisen mußte.

Abschließend noch einige an diesem Wochenende auf der Ruta 5 entdeckte aktuelle Campingimpressionen, nachdem wir im Bericht "Argentinien & Uruguay" fälschlicherweise behauptet haben, derartiges gäbe es in Chile nicht.
Womo mit Anhänger Cityauto huckepack Wohnwagenimpression


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