Silvester

Die meisten Leute aus Santiago fahren über das Silvesterwochenende weg. So kam es uns zumindest vor. Gähnende Leere herrschte in unserer Straße und nachts war es schon fast unheimlich ruhig. Größte Attraktion scheint das Feuerwerk in Valparaíso zu sein das am Hafen abgefeuert wird, sodaß man von den umliegenden Hügeln einen tollen Blick hat. Da wir gerade erst ein paar Tage unterwegs waren, beschlossen wir in der Stadt zu bleiben und uns das Feuerwerk hier anzuschauen. Zunächst einmal ist es verboten Feuerwerkskörper zu verkaufen und tatsächlich haben wir nur um Mitternacht die Raketen gehört und gesehen, die vom Torre Entel aus "offiziell" abgeschossen wurden.
Wir stürzten uns also mit der verbleibenden Menge in die Supermärkte um uns mit Essen einzudecken, zu solchen Gelegenheiten werden auch hier Hamsterkäufe veranstaltet. Abends kochten wir passend zum Wetter (über 30° Grad) einen mongolischen Feuertopf auf dem Balkon, zum Glück kühlte es (und wir) später wieder einigermaßen ab.



Nachdem wir schon gegen 20 Uhr in Deutschland ein frohes Neues wünschen konnten, machten wir uns gegen 22:30 auf den Weg in die Stadt. Mit Glück erwischten wir die letzte Metro und stiegen kurz vor der auf mehreren Kilometern gesperrten Alameda aus, es waren schon wahre Menschenmassen unterwegs. Vom Torre Entel (Funkturm der chilenischen Telefongesellschaft) sollte das Feuerwerk abgeschossen werden und vorher und nachher war auf einer Länge von jeweils 2-3 Metrostationen die Straße für den Verkehr gesperrt.

Die chilenischen Straßenhändler waren natürlich wieder mit dabei und im Angebot gab es:

- Beutel mit weißen Konfetti (Papier statt Böller!)
- Papphülsen mit Luftschlangen zum Abschießen
- Bunte Hüte mit Glitzerperücken
- Bier und sonstige Getränke
- gegrillte Fleischspießchen

Vorher mußte man allerdings auch noch einiges vorbereiten und um spätestens Mitternacht parat haben:

- als Frau eine gelbe Unterhose kaufen und anziehen (damit man weiterhin Glück in der Liebe hat)
- in jede verfügbare Tasche und auch in die Schuhe Münzen stecken (damit sich das Geld in 2007 fleißig vermehrt)
- eine gepackte Reisetasche an die Tür stellen (damit man im nächsten Jahr reist, wenn man viel reisen will sollte man mit der Tasche einige Male um den Tisch laufen)
- beim Glockenschlag 12 Löffel Linsen oder andere Hülsenfrüchte (für Glück, Geld, etc.)
- in das Sektglas vor dem Anstoßen einen Ring stecken (damit man endlich geheiratet wird)
- einen Bund aus 12 Ähren mit einem roten Bändchen umwickelt ins Wohnzimmer hängen (bringt jeden Monat Glück)
- Myrrhe verbrennen um die eigene wirtschaftliche Situation anzukurbeln
- einen Fisch mit Gräten zubereiten und essen, je mehr Gräten man isst, umso mehr Geld gibt es im nächsten Jahr


Auf einer deutschen Internetseite haben wir noch gelesen, daß man an Silvester bloß die Wäsche liegen lassen soll, das haben wir auch brav befolgt.


Um Mitternacht begann dann das Feuerwerk vom Turm und unten auf der Straße ein Feuerwerk aus Konfetti und versprühten Sektflaschen, man mußte also keine Angst vor Feuerwerksirrläufern haben, dafür fanden wir noch tagelang sektdurchweichtes Konfetti in sämtlichen Kleidungsstücken und vor allem in den Haaren!

Frohes Neues!!!