Wintersmog am Sendero de Chile

10.06.2007

der hier eher unspektakuläre Sendero de Chile
Diesen Monat ist endlich Winteranfang, was bedeutet, daß wir "nur" noch weitere 3 Monate Kälte, schlechte Luft und getrübte Sicht nach oben vor uns haben. Der Smog begleitet uns schon mehrere Wochen und ist nur unterbrochen von wenigen klaren Tagen, meist nach Regen oder Wind, beides ist bisher aber eher selten aufgetreten.
Nachdem wir den Samstag faul mit telefonieren, auf-dem-Sofa-liegen, einkaufen und futtern verbracht haben (und das leider bei relativ blauem Himmel…) rafften wir uns heute doch noch auf, ein bißchen wandern zu gehen. Die nächste Möglichkeit dazu ist der Sendero de Chile, der natürlich auch an Santiago vorbeiführt, ein Teil davon ist nahe dem Parque Mahuida im Stadtteil La Reina.
Der Sendero de Chile ist ein Weitwanderweg-Projekt, nach der Fertigstellung im Jahr 2010 soll Chile auf seiner gesamten Länge zu Fuß, zu Pferd oder auf dem Fahrrad durchquert werden können. Bei der Länge des Landes von mehr als 4.000 km ist das schon eine große Herausforderung!
Aufstieg über den Smog
Der Sendero de Chile soll durchgehend das Altiplano im Norden mit der Atacamawüste, den Zentraltälern, Nationalparks und Reservas, Seen, Vulkanen und dem südlichen Eisfeld sowie Patagonien und Feuerland verbinden. Mit eingeschlossen sind auch die entfernten Inseln Isla de Pascua und das Juan Fernández Archipel, sowie Chiloé. Wie man sich daher denken kann, ist das Projekt auch noch nicht allzu weit fortgeschritten. Die meisten "tramos" des Sendero führen durch die Nationalparks, auf bereits angelegten oder erweiterten Wanderwegen. Diese müssen aber noch alle verbunden werden. Einerseits eine tolle Idee, andererseits dank kaum vorhandener Infrastruktur abseits der Orte schwierig durchzuführen. Auch fragen wir uns, wie man z.B. die Atacamawüste wandernd durchqueren soll, wenn man den Urlaub nicht als wochenlanges Überlebenstraining gestalten möchte.
da liegt die Dunstglocke
Entlang zweier Stadtteile Santiagos existiert jedoch schon der Sendero de Chile und heute haben wir ein Stück davon erkundet. Im Osten von La Reina, das sich schon etwas den Hang hinaufzieht, parkten wir das Auto. Es war weit und breit nichts los auf dem Parkplatz, kein Wunder, es ist ja momentan auch zu kalt zum grillen! Tapfer trotzten wir also dem usseligen Wetter und machten uns an den Aufstieg zum Kontrollhäuschen. Außer ein paar Mountainbikern und wenigen Spaziergängern sah man kaum jemanden. Der Weg ist zugegebenermaßen toll markiert, mit großen Steinen rechts und links als Begrenzung, aber wie meistens verliert sich deren Spur nach ein oder zwei Kilometern. Hatte man einmal eine gewisse Höhe erreicht, ging es sich recht angenehm ohne größere Steigungen entlang der mittlerweile eher graubraun-struppigen Berghänge. Außer vielen Vögeln und wenigen Kühen war fast niemand unterwegs. Von hier aus hat man von mehreren Miradores (Aussichtspunkten) an klaren Tagen einen tollen Blick über die Stadt. Heute eher nicht, der Smog lag wie ein Schleier im Tal und wir konnten einige markante Punkte nur erahnen. Dabei war es heute noch gar nicht so schlimm: unter der Woche, und vor allem in den südlichen und westlichen Stadtteilen ist die Sicht noch viel getrübter. Bei uns im Osten der Stadt zeigen die Meßstationen immer noch die besten Werte an.
alles etwas schwierig zu erkennen
Unter der Woche herrschen daher seit Anfang Mai auch regelmäßig Fahrverbote für nicht-katalysierte Fahrzeuge, und manchmal sogar auch für uns. Dabei geht man nach der Endnummer der Zulassung vor: Montags dürfen z.B. alle Autos mit den Endnummern 0 und 1 nicht fahren, Dienstags sind 2 und 3 dran, usw. Das kann man jeden Morgen in der Tageszeitung und im Internet nachlesen, sowie auf großen Anzeigetafeln in der Stadt. Bisher wurde erst einmal ein Fahrverbot auch für katalysierte Wagen ausgerufen, zum Glück waren wir da im Norden unterwegs. Am Wochenende haben wir bisher noch kein Fahrverbot erlebt, wenn es soweit kommt sollte man sowieso besser Türen und Fenster geschlossen halten.
Wir stiegen auf etwas über 1000 Meter hoch und standen dann über dem Smog. Eine dicke bräunliche Luftschicht lag über der Stadt, die nach Osten etwas dünner wurde. Aus dieser Suppe heraus schauten die umgebenden Berggipfel. Wir haben versucht, den Smog aufs Bild zu bannen und einen Eindruck davon wiederzugeben.
Spätestens jetzt wird uns keiner mehr um die "sonnige Südhalbkugel" beneiden. Wir haben schon versucht die Reiseleitung ausfindig zu machen um die gebuchte Sonne wieder einzuklagen. Bisher vergeblich, die Reiseleitung scheint sich in wärmere Gefilde abgesetzt zu haben.

PS- Kleiner Nachtrag vom Dienstag: Nach anhaltendem Dauerregen seit Montagnachmittag ist auf den Bergen "hinter'm Haus" 2 Meter Neuschnee gefallen. Markus versucht morgen aus der 29. Etage vom Telefonicaturm Fotos zu machen und am Wochenende werden die Skilifte geöffnet...