Sonnenhut und Caipirinha statt Wollmütze und Glühwein

Heute am 2. Dezember fand der alljährliche Basar der "Damas Diplomaticas" (Diplomatenfrauen) statt, ein von den Botschaften fast aller in Santiago vertretenen Länder organisierter Wohltätigskeitsbasar. Neben vielen Ständen mit landestypischen Gerichten und Getränken gab es aus fast jedem Land auch Artesania (Kunsthandwerk) zu kaufen.
Morgens um 10 ging es los und wir schafften es gegen 11:30 den Parque Araucano zu erreichen. Nach einer Runde, um uns einen Überblick zu verschaffen tranken wir erst mal frisch gepreßten kolumbianischen Maracuja- und Mangosaft. Nachdem das Wetter gestern untypisch bedeckt und diesig-kühl gewesen war, brannte die Sonne heute schon morgens ziemlich unbarmherzig um das gestrige Defizit wettzumachen.

Die deutsche Vertretung lockte mit einer Weißwurst-Combo: Weißwurst im Brötchen mit Sauerkraut und dazu das gute Kunstmann-Bier (in Chile nach deutschem Reinheitsgebot gebraut). Anscheinend war es dem Exportweltmeister logistisch nicht gelungen, deutsches Bier zu liefern, oder es war in der Vorbereitungsphase bereits den Mitarbeitern zum Opfer gefallen. Zu kaufen gab es außer den übrig gebliebenen WM-Hüten und einigen uninteressanten Werbeartikeln nicht viel.

An einem Stand mußte ich kurz darauf einen nicaraguanischen Sonnenhut erstehen, da der Schatten eher spärlich vorhanden und zumeist schon besetzt war. Markus liebäugelte mit brasilianischen Flip-Flops, die mit 3000 Peso unwiderstehlich günstig waren. Um die bisher spärlich dekorierte Wohnung etwas aufzuheitern kauften wir anschließend einen knallrot bestickten peruanischen Wandbehang und Markus bekam noch den brasilianischen Geist der Weihnacht, wie wir ihn tauften.

der Geist der Weihnacht peruanische Geisterbeschwörung?
Jetzt ging es an den wichtigsten Teil des Tages: die kulinarische Entdeckungstour. Da die Wahl schwer fiel einigten wir uns auf eine Runde durch die südamerikanischen Stände. Alles europäische war schließlich im Moment weniger interessant.
Zum Einstand teilten wir uns einen frisch gebratenen Käsefladen mit einer Art Sauerkraut aus El Salvador, weil an deren kleinem Stand niemand war und Markus Mitleid hatte. Kurz darauf füllte sich aber auch dieser Stand.
Beruhigt zogen wir weiter nach Bolivien, wo es zwei äußerst leckere Salteñas (mit Hackfleisch, Zwiebeln, Erbsen, Oliven und pikanter Soße gefüllte Brotpastete, ähnlich den hiesigen Empanadas, aber fast noch besser) für uns gab.
bolivianische Salteñas argentinische Parilla

Kurz darauf erwartete uns Argentinien mit frisch gegrilltem Rinderfilet in Weißbrot mit kühlem Weißwein, der Grillgeruch hatte schon so viele Leute angezogen, daß wir zum Glück noch eins der letzten Stücke erwischten.
Zum Abschluß der Südamerikarunde gönnten wir uns noch einen brasilianischen Caipirinha und gedachten damit den "Zuhausegebliebenen" im Schatten der Bäume.
Prost auf den Winter! Sonnenhut statt Schal...