Termas de Chillán

Laguna Huemul und Valle de Aguas Calientes

5.-8.12.2008

Der Doppelkrater des Vulkan Chillán
Freitag abends schaffen wir es nach fast 2 Stunden endlich auf die Ruta 5 Sur, immer mehr Chilenen scheinen am Wochenende die Stadt zu verlassen, allen Krisen zum Trotz. Nach 7 Stunden unspektakulärer Fahrt fahren wir nach Mitternacht im Örtchen Valle Las Trancas ein und suchen uns ein Übernachtungsplätzchen am Wegrand. Am nächsten Morgen sehen wir unsere Umgebung endlich im Hellen: blauer Himmel, grüne Laubwälder und überall die Spuren des Vulkans Chillán: Lava und Asche. Valle las Trancas liegt nur 10 Kilometer vor dem Ski- & Thermalresort Termas de Chillán und besteht somit fast ausschließlich aus Cabañas, Hosterías, Restaurants, Skiverleihen und Agenturen. Momentan ist nicht viel los, da die überwiegende Mehrheit der Chilenen erst zum offiziellen Sommersaisonstart im Januar die Gegend stürmt.
Anfahrt im Valle Shangri-La Refugio Shangri-La
Am Abzweig ins Seitental Shangri-La nehmen wir die 6 km lange lavabrockengespickte Schotterpiste bis zum alten, verlassenen Refugio Shangri-La. Wir durchqueren eine kilometerlange alte Lavazunge, die sich vor langer Zeit durch das Tal geschoben hat. Der Weg wird zunehmend schlechter und im Schneckentempo umkurven wir Felsbrocken, tiefe Rinnen und schrammen mit dem gebeutelten Unterboden des Jeeps über messerscharfe Lavakanten. An manchen Stellen muß ich Markus lotsen und kann beobachten, wie die Reifen sich in ungeahnten Formen um die Felsbrocken schlingen. Da sie schon ziemlich abgefahren sind, erwarten wir minütlich eine Reifenpanne. Die bleibt aber zum Glück aus, und nachdem wir an einigen Stellen noch unsere Fertigkeiten im manuellen Straßenbau getestet haben, erreichen wir endlich das alte Refugio. Die zahlreichen Wanderer, die hier im Laufe des Tages eintreffen, kommen alle zu Fuß, aber bei der Straße muß man wenigstens keine Angst haben, dass das Auto gestohlen wird: zu Fuß könnte man es fast schneller schaffen.
im tausendjährigen Wald Chillán mit Lavazunge
Am Refugio suchen wir eine Weile vergeblich nach dem Weg, dessen Einstieg in der Beschreibung nur vage angedeutet wird. Da wir vorher in Google Earth das Ziel bereits ausfindig gemacht und im GPS gespeichert haben (Technik, die begeistert!), wissen wir aber zumindest die Richtung und sind bald auf dem richtigen Weg. Laut Beschreibung erwartet uns eine zweistündige Wanderung durch tausendjährigen Wald, woraufhin man einige Felsen überklettert und dann schon am Ziel, der Laguna El Huemul, steht. Der tausendjährige Wald ist weder kühl noch schattig, sondern licht und schulterhoch und nur einige alte Bäume stechen hervor.
Aufstieg durchs Bachbett die Laguna El Huemul
Nach 10 angenehmen Minuten biegt der Pfad aber in ein Bachbett ein, dem wir nun bergauf folgen, und das auf etwa 2,5 Kilometern mit 500 Höhenmetern unter der brennenden Sonne und über riesige Felsbrocken, die teilweise auf allen vieren erklommen werden müssen. Statt tausendjähriger Bäume verfolgen uns tausende Bremsen, die fast doppelt so groß sind wie ihre deutschen Artgenossen und die uns gnadenlos umschwirren. Zwar schaffen wir es, nur einmal gestochen zu werden (ich), aber die Biester sind so resistent, dass sie selbst zielgenaues erschlagen überleben und sich aus dem Staub am Boden sofort wieder aufrappeln.
der Nevado del Chillán auf 2012m
Die Wanderung gleicht ausgiebigem Treppensteigen mit zu hohen Stufen. Zweieinhalb Stunden für zweieinhalb Kilometer sind neuer Schneckenrekord, aber wegen der Steigung nutzten wir jeglichen, spärlichen Schatten aus, um eine Verschnaufpause einzulegen. Endlich auf knapp über 2000 Meter angekommen, sehen wir schließlich die kleine Laguna direkt unter uns. Wir flüchten in einen winzigen Schattenfleck und legen eine wohlverdiente Mittagspause ein.
Markus spaziert im See herum steiler Abstieg
Der Abstieg gelingt uns auch nicht sehr viel schneller, aber immerhin ist er nicht ganz so schweißtreibend. Endlich am Auto angekommen, beobachten wir die Ankunft einer großen, organisierten Wandergruppe, die jetzt am späten Nachmittag den Aufstieg erst beginnen. Vor Einbruch der Dunkelheit sind sie sicher nicht wieder unten im Dorf.
zwei Vulkane enlich unten
Zurück im Tal finden wir zum Glück den einzigen Campingplatz der näheren Umgebung, der zufällig auch gerade dieses Wochenende eröffnet wurde. Das Valle Hermoso, nur einen Kilometer vor Termas de Chillán, ist eine große Anlage mit warmen Schwefelbädern, Café, Camping und diversem Freizeitangebot, aber auch hier ist noch nichts los. Wir installieren uns, und warten auf Team Viña, mit denen wir uns hier für die morgige Tour verabredet haben.
Fumarolen lieber aufpassen, wo man hintritt
Am nächsten Morgen packen Markus und ich die großen Rucksäcke, denn wir wollen oben im Valle de Aguas Calientes zelten, während Team Viña den Ausflug als Tagestour macht. Um 10 laufen wir vom Parkplatz der Termas los und es ist schon ziemlich heiß. In dieser Gegend soll es im Sommer sogar noch heißer werden als in Santiago, was man sich kaum vorstellen kann.
Schwefelschlammbecken Passhöhe mit Vulkan Antuco im Hintergrund
Nach einer Stunde Aufstieg gelangen wir an die Fumarolas, die überall aus dem Boden dampfen. Kurz danach sind einige Schwefelschlammbecken ausgegraben, in die man sich bei Bedarf legen kann, worauf wir aber verzichten. Uns ist sowieso schon warm genug. In der Ferne sieht man das Ziel: den Pass auf 2400 Metern (bisher haben wir in Chile mehr Pässe als Berge bestiegen). In Serpentinen, aber dank des schweren Rucksacks nicht weniger anstrengend, zieht sich der Weg immer höher und wir queren einige Schneefelder, immer unterhalb des Vulkans Chillán.
Valle Las Trancas
Oben am Pass haben wir Blick auf den Vulkan Antuco in der Ferne, zu dem wir damals den zweiten Ausflug im eigenen Auto gemacht haben. Hinter der Passhöhe geht es 300 Höhenmeter steil hinunter ins grüne "Tal des warmen Wassers".
Rast beim Abstieg Abstieg ins Tal des warmen Wassers
Der erste Fluß, der gequert werden will, ist eisigkalt und bringt Schmelzwasser ins Tal. Der zweite, etwas kleiner, entpuppt sich als angenehm temperierter Bach, der zum Baden einlädt. Unsere Mitwanderer verabschieden sich hier und kehren zurück zum Auto, während Markus einen angemessenen Zeltplatz neben unserem privaten Badebach sucht.
unser eigener Badebach... ...mit Massagewasserfall
Den Nachmittag verbringen wir faul im Schatten des Zelts, und verteidigen uns gegen die lästigen Bremsen, die auch hier zahlreich unterwegs sind (nur oben am Pass hatte die Kälte sie langsamer gemacht und wir konnten eine ganze Menge erledigen). Die Tagesbesucher verlassen unter zurücklassen ihrer unübersehbaren Mülltüten und Essensreste das Tal, das Umweltbewußtsein ist hier meistens noch unterentwickelt.
Zelt vor Vulkan Badebach, Zelt und Blick ins Tal
Wir entdecken noch zwei kleine Zelte, die am nächsten warmen Bach stehen und gucken uns im vorbeigehen unauffällig die Nachbarn an. Immerhin sind wir hier oben nicht allein, dann kann ich besser schlafen.
Auf dem Rückweg zum Zelt löse ich unbeabsichtigt noch eine kleine Steinlawine aus, der wir aber mit nur einer Schramme entkommen.
Halbmond über Vulkan aufziehende Wolken
Nach einem Bad im Bach und dem Abendessen wird es ziemlich windig und die Wolken aus dem Tal ziehen herauf, schaffen es aber nicht ganz bis in unser Hochtal. Die Nacht am Fuß des Chillán ist stürmisch, das Zelt knattert im Wind und hindert mich größtenteils an ungestörter Nachtruhe (zusammen mit dem Gedanken an den Vulkan, der zwar vor einigen hundert Jahren das letzte Mal ausbrach, aber hier immerhin das Wasser und die Schwefelquellen kräftig aufheizt).
Andenglühen
Am nächsten Morgen sind die Wolken und der Wind aber verschwunden und wir legen nach dem Frühstück noch ein Bad ein, bevor gegen Mittag packen und den Rückweg antreten. Es zieht sich ein wenig zu und wird kühler, was uns aber nicht stört.
Wolkenfetzen vor Sonnenuntergang
Eine wohlgemeinte Abkürzung, die aus der Ferne zu sehen war, entpuppt sich allmählich als höhenmeterintensiver Fehler. Außerdem ist der Hang, den wir entlangkraxeln, von den tiefen Bauen der Vizcachas gespickt, die hier ein weit verzweigtes unterirdisches Gänge- und Höhlensystem gegraben haben, durch das wir ständig mit den Füßen einbrechen. Etwas entnervt kehren wir schließlich um und gehen den ausgetretenen Weg, wie meistens hat sich die Abkürzung als Umweg erwiesen. Als wir nach 15 Uhr endlich am Auto eintreffen sind wir etwas geschafft und froh, die nächsten 5 Stunden im Sitzen verbringen zu dürfen.
Vulkanblick Blick zurück ins Valle de Aguas Calientes


Zurück zur Startseite