Tod des Ex-Diktators

10.12.2006

Pinochet war erst vor kurzem wieder einmal mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert worden, da neue Verhöre der Justiz bevorstanden. Nach einer wie immer ungewöhnlich schnellen Genesung (über die sich seine Gegner jedesmal wieder empörten) war er nun tatsächlich mit 91 Jahren gestorben. Sein Todestag fiel nicht nur mit dem Geburtstag seiner Frau, sondern komischerweise auch mit dem Tag der Menschenrechte zusammen. Das wurde besonders gefeiert...

Nachdem wir am Sonntagabend das Auto sicher zuhause abgestellt hatten, machten wir uns noch einmal auf den Weg in Richtung Avenida Providencia an der das Hospital mit den Trauernden, die Plaza mit den Feiernden und weiter unten an der Alameda auch der Präsidentenpalast mit den Randalierern liegen. Genaugenommen ist das Hospital nur 2 Straßen von hier entfernt, zu Fuß sind es aber gut 25 Minuten, die Straßen sind ja etwas länger.
Am Krankenhaus herrschte wie zu erwarten trübe Stimmung, es standen etwa 500 Menschen teils weinend vor dem Eingang und schwenkten Fahnen und Pinochet Bilder. Die meisten waren schon älter und offensichtlich etwas besser betucht, aber komischerweise waren auch jüngere darunter. Der Anblick von Menschen die beim Tod eines Ex-Diktators öffentlich weinen, kam uns schon komisch vor.

Mit der Metro fuhren wir anschließend die 4 Stationen die Straße hinunter, allerdings wurde gerade durchgesagt, daß 3 Stationen rund um den Präsidentenpalast schon gesperrt waren und man vorher aussteigen mußte. An der Plaza Italia sahen und hörten wir gleich die mindestens 2000 Menschen, die schon den ganzen Tag ausgiebig Pinochets Tod gefeiert hatten. Es herrschte fast Karnevalsstimmung. An sich wollten wir auch noch zur Moneda (Präsidentenpalast) hinunter, da die Straße aber so breit und gerade verläuft sah man am entfernten Ende schon zwei Wasserwerfer in Aktion und brennende Autoreifen mitten auf der Straße. Der Geruch des verbrannten Gummis zog bereits die Straße hoch.

Also machten wir lieber kehrt und zogen neben dem jubelnden Zug wieder in Richtung Krankenhaus. Selbst Hunde waren mit roten T-shirts bekleidet, im Gegensatz zu den Polizeihunden die hier einen grünen Polizeiumhang tragen müssen... Uns wunderte, daß so wenig Polizei vertreten und auch noch nichts abgesperrt war, obwohl 3 von 6 Fahrspuren schon komplett von den Feiernden belegt waren. Die Busse, die in die andere Richtung unterwegs waren, wendeten allerdings schon auf der Straße da sie unten nicht weiter gekommen wären. Am Krankenhaus hatte die Polizei nun doch die komplette Straße gesperrt und forderte Pinochets Anhänger auf, nach Hause zu gehen. Da es sich hier zumeist um ältere Leute handelte, die sich der herbeiziehenden Menge sicher nicht stellen wollte, taten die meisten das auch. Wir hatten auch genug gesehen und machten uns ebenfalls auf den Heimweg. Die ganze Nacht hörte man noch die Hubschrauber über der Stadt.

Es machte sich heute auch wieder die Geschäftstüchtigkeit der fliegenden Händler bemerkbar:
- am Krankenhaus konnte man Pinochetbilder, Kerzen und Chile-Fahnen kaufen.
- an der Plaza Italia Chile-Fahnen, rote KP-Fahnen und Alkoholika.
- an der Moneda warscheinlich Tücher zum Vermummen, Steine, Gullideckel und Autoreifen ;-)

Am nächsten Tag auf dem Weg in die Stadt sahen wir vom Bus aus erstaunlich wenig Überreste der nächtlichen Ausschreitungen. Die Graffiti (auf denen Pinochet das Fegefeuer und schlimmeres gewünscht wurden) wurden gerade an den Hauswänden weggeputzt, und bei einer Bank sahen wir eingeschlagene Scheiben. Einige Bushaltestellen waren demoliert und anscheinend war auch ein McDonalds im Zentrum den Steinewerfern zum Opfer gefallen.