Der Umzug

Nach langen Überlegungen, ob wir unseren gesamten Hausrat mit nach Chile nehmen sollten hatte der Geiz gesiegt, denn 6.000€ für den kompletten Seecontainer (einfache Fahrt) war uns einfach zu teuer. Nach dem Einholen verschiedener Angebote hat die Firma NYK Logistics in Hamburg den Zuschlag bekommen und nun konnte es losgehen. Wir hatten einen Monat Zeit, alles seefest zu verpacken, detaillierte Packlisten zu schreiben, diese auf spanisch zu übersetzen und mit einem Wert in US$ zu versehen.
Kein Problem, dachten wir! Jeden Tag zwei Kisten und damit ist die Sache erledigt. Allerdings mußte auch noch der Umzug der Möbel in ein Lager in Engstingen vollbracht werden und die Wohnung renoviert und übergeben werden.
Nach den ersten paar Tagen und einem Rückstand in unserem Packvorhaben (es war so schönes Wetter) sahen wir ein, daß wir uns jetzt zusammenreißen müssen und legten los. Jeder kleinste Gegenstand mußte stoßfest und wasserdicht verpackt werden, dazu mußte zu jeder Kiste ein genaues Inhaltsverzeichnis im PC geschrieben werden. Die nächsten Abende holten wir auf, merkten aber schnell, daß es auch sehr zeitaufwendig war (besonders die Diskussion "muß das wirklich mit??"). In der Wohnung häuften sich Kartons, Poppfolienrollen, Packpapier, Müllbeutel und Gefrierbeutel jeder Größe und endlose Rollen von Klebeband. Eine Woche vor Abtransport der Kartons durch die Spedition schraubten wir das restliche Inventar auseinander, verpackten alles und mieteten einen Sprinter. Mein Hinweis auf die evtl. mangelnde Kapazität des Gefährts wurde überhört.



Am Tag des Umzugs halfen die Spohr-Brothers tatkräftig mit, da ich leider arbeiten mußte, und bei meiner Rückkehr war der Wagen bis zur Decke vollgepackt. Es waren aber einige Stücke übrig geblieben... Trotzdem mußte Markus nun erst einmal nach Engstingen fahren, dort ausladen, am nächsten Tag zurückfahren und gleich seinen Vater mitbringen, der uns beim renovieren helfen wollte. Zwischenzeitlich fuhr ich mit dem Auto einige Kisten und Pflanzen nach Bonn zu meinen Eltern. Die Wohnung war immer noch nicht leer! Es half nichts, am Samstag mußten wir früh um 6 raus, den Rest einladen und meinen Eltern ein Plätzchen auf dem Dachboden aus den Rippen leiern. Die nun noch übrig gebliebenen Dinge wurden verschenkt, inklusive der guten alten Waschmaschine, die wir kurzentschlossen den Nachbarn gegen prompte Selbstabholung überließen. Markus überreichte sogar noch das restliche Waschpulver.



Nun konnte die Renovierung losgehen: Markus Vater schwang schon seit Freitag Abend Pinsel und Rolle, Markus rannte mit Klebeband und Abdeckfolie hinterher und ich packte weiter Gegenstand für Gegenstand in die Kisten. Sonntag morgen war es dann soweit, es blieb nur noch die Schönheitsfehlerbeseitigung, das putzen der Wohnung und das packen der letzten Kisten. Auch das allerdings hatten wir unterschätzt, und ackerten bis spätabends, wie auch schon die letzten Abende, nur unterbrochen von Essenspausen, um die Wohnung in einen übergabefreundlichen Zustand und die letzten Sachen in die Kartons zu bringen. zum Glück fiel uns Sonntagabend noch ein, daß wir unbedingt die Packlisten noch ausdrucken müssen, wofür wir uns in Ermangelung eines Druckers spontan bei den Janssens in Willich einfielen. Seitdem wir unser Bett zerlegt und in handliche Pakete verpackt hatten, blieben uns seit einigen Tages schon nur noch Isomatten, Kopfkissen und Decken, die am Montagmorgen die letzte Kiste füllen sollten bevor die Spedition vorfuhr. Der für zwischen 9-12 Uhr vorgesehene Spediteur fand den Weg zu uns gegen 12:30, alle Kisten wurden auf Paletten gepackt, eingeladen und nahmen sich laut Markus ziemlich klein in dem großen LKW aus. Dann waren sie weg, auf dem Weg nach Hamburg, und wir hofften, sie nicht zum letzten Mal gesehen zu haben!



Montagabend war durch restliches Aufräumen, Fleckenbeseitigung und Entmüllen ausgefüllt, die Terrassenpflanzen wurden auf das verlassene Nachbargrundstück ausquartiert, da niemand bereit war sie zu übernehmen und gegen 21 Uhr traten wir die Reise nach Wuppertal an, wo wir die nächsten beiden Nächte verbringen sollten.
Dienstag verlief die Übergabe mit dem Vermieter zum Glück völlig problemlos und wir waren eine große Sorge los. Abends ging es mit unseren Wuppertaler Asylgebern noch ein letztes Mal zum Futtern zum Afrikaner, dann stand die letzte Nacht bevor. Am nächsten Morgen sollte ich ein letztes Mal für 3 Stunden zur Arbeit fahren, dann ab ins Auto auf den Weg zum Frankfurter Flughafen, wo uns meine Eltern mit Hund und Markus Familie verabschieden würden. Mittlerweile waren wir so müde und kaputt von den letzten 3 Wochen, daß wir am liebsten schon in der Tiefgarage im Flughafen im Auto geschlafen hätten bis die Familien anreisten.



Nach Übergabe der letzten Habseligkeiten wie Staubsauger und Kleinkram an meine Eltern und Auto an Markus Bruder ging es zum Check in Schalter. Da wir etwas früh dort waren (4h vor Abflug, aber man weiß ja nie was einem auf 280km alles passieren kann) hatten wir wohl Glück und niemand erhob Einspruch gegen 46kg statt 40kg erlaubtem Gepäck und unser prall gefülltes Handgepäck sowie die dicksten Winterjacken die wir mit in die Kabine nahmen.
Nachdem alles erledigt war, stand noch kurzes Zusammensitzen an bevor unser Flug aufgerufen wurde und wir durch die Kontrolle mußten. Der Abschied fiel schwer, aber uns kam es nicht so vor, als seien wir für die nächsten 2 Jahre am Ende der Welt, dies holt uns sicher später noch ein. Der Flug war äußerst ruhig, der Service den Mehrpreis zu Iberia wert und wir hatten sogar jeder einen eigenen Bildschirm auf dem Filme und Spiele individuell ausgewählt werden konnten. Die 18 Stunden haben wir also relativ angenehm überstanden.
Bei der Ankunft in Santiago verlief alles glatt, bis auf die Tatsache daß die Dame an der Immigracion gleich beide Originale unseres Visums einbehielt und uns versicherte, das sei so richtig, obwohl doch die Botschaft uns etwas anderes erzählt hatte. Das Gepäck erwartete uns schon fast und am Zoll fiel bei der Durchleuchtung auch nicht der Sack mit den restlichen 240 Teebeuteln auf, den ich nicht übers Herz gebracht hatte, wegzuwerfen. Leider hatten wir vergessen, wie das Hotel hieß in dem wir untergebracht werden sollten, aber da uns jemand abholen sollte, war das nicht so schlimm. In dem Gewimmel am Ausgang suchten wir allerdings 25 Minuten nach eben diesem und als er nicht auftauchte wurde Markus doch unruhig. Die Mobilnummer von seinem Chef funktionierte nicht, und wir wären etwas aufgeschmissen, wenn jetzt niemand käme! Nach mehreren Runden durch die Halle, während ich mich und das Gepäck gegen die Taxifahrer verteidigte, fand sich der Fahrer aber doch, und los gings in Richtung Santiago!

Hier noch einmal vielen Dank für die tatkräftige Hilfe:
den Janssens für Kartonbeschaffung und die Druckerbenutzung inklusive Kaffee
den Spohr-Brothers für die Schlepperei
Valeria für die ungenutzte LH Alternative
Markus Vater für Streichen im Akkord
Oli, Georg und Schneider für das Ausladen bei Nacht und Nebel
Markus Mutter für die Versorgung der Entpacker
meinen Eltern für die Quadratmeter auf dem Dachboden und das Frühstück
Britta und Markus für die Halbpension im Hotel zum Einäugigen
Fred für die Lieferscheinlabels und das Klebeband
den polnischen Nachbarn für die Erlösung von der Waschmaschine
dem Büdchen nebenan für die Bierversorgung
dem Weingut Santa Ema für die Versorgung während der Homepage-Erstellung
... hoffentlich haben wir niemanden vergessen!