Urlaub in Uruguay

4 Tage am Río de la Plata

05.-08.03.2009

die Farben Uruguays
Am Donnerstag morgen klingelt der Wecker schon um 5 Uhr 30 und nach einem kurzen Frühstück und letztem Gepäckcheck werden wir bereits abgeholt. Unser Flug nach Montevideo, der Hauptstadt Uruguays, startet pünktlich um 7 Uhr 30 und wir nehmen Kurs nach Süden. Über Rancagua biegen wir links nach Osten ab und überqueren die Anden, wobei die Sicht so gut ist, dass wir die Mine El Teniente und das alte Bergarbeiterdorf Sewell hoch in den Bergen gut erkennen können. Nach 2 Stunden Flug überfliegen wir den riesigen, schlammbraunen Río de la Plata und dann leuchtet auch schon ein grünes Uruguay unter uns.
knapp über den Anden endloser Strand in Montevideo
Nach der Landung dürfen die Business-Class Passagiere das Flugzeug stilvoll über den einzigen Finger des Flughafens verlassen, während die Holzklasse den Hinterausgang über die Treppe hinunter und in den wartenden Bus steigt. In dieser Sparversion eines Flughafenbusses wurden aus einem ausgemusterten Reisebus einfach die Sitze entfernt, weswegen das Stehen in den ehemaligen Sitzreihen maximal noch sehr klein gewachsenen Hochlandbewohnern möglich ist. Alle anderen drängen sich in der Mitte, wo man noch aufrecht stehen kann. Kaum sind wir durch die Immigration, wartet schon unser Gepäck am Band und im Vorbeigehen drücken wir dem Zoll die ausgefüllte Erklärung in die Hand - von der Landung bis zum Verlassen des Flughafens sind gerade mal 10 Minuten vergangen. Das nennt man schnelle Abfertigung. Wir nehmen den Bus ins Zentrum und nachdem wir die Route auf dem äußerst rudimentären Plan zu verfolgen versuchen, nimmt sich ein Mitreisender unserer an und erklärt uns den Weg zum Hotel.
Palmen vor dem Hotel Mercado del Puerto
Nach halbstündigem Fußweg finden wir das Ibis Hotel, das direkt am breiten Fluss liegt. Da Markus offiziell gar keinen Urlaub hat, muß er noch zwei Stündchen arbeiten (Internet macht's möglich) und danach machen wir uns auf, zum Mittagessen in die Stadt. In einer guten Stunde gelangen wir zum Mercado del Puerto, dem wohl einzigen Fischmarkt Südamerikas, auf dem ausschließlich Fleisch auf riesigen Grills verkauft wird. Man bestellt, was einen gerade vom Grill anlacht, hier eine Morcilla (Blutwurst), da ein paar Nierchen und dort eine Chorizo (Bratwurst). Steaks werden in Uruguay für unseren Geschmack zu sehr "durch" gebraten. Für die Vegetarier gibt es immerhin gegrillte Paprika.
Hafenviertel Tante-Emma-Laden
Dazu opfert sich Markus, den berühmten "Medio-Medio" zu probieren: ein Mischung aus süßem Sekt und trockenem Weißwein. Anschließend schlendern wir durch die Altstadt, die auf einer breiten Landzunge liegt und wundern uns, wie eine 1,4 Millionen-Stadt so ruhig und gemächlich wirken kann. Überall stehen noch schöne alte Gebäude, keine häßlichen Hochhäuser stechen hervor und selbst der Verkehr ist für südamerikanische Verhältnisse ziemlich zahm.
die Müllsammler und -recycler die Plaza Independencia
Es scheint auch fast so viele Bäume wie Einwohner zu geben, die meisten Straßen sind von dichten Platanenalleen komplett beschattet, sodass die hohen Temperaturen erträglich sind. Am Abend kehren wir fußmüde ins Hotel zurück und nehmen später ein Taxi zu einem Restaurant am Fluss, in einem der außerhalb liegenden Wohnviertel. Montevideo liegt langgestreckt am Río de la Plata und auf der 20 Kilometer langen Strandpromenade ist so spät noch richtig viel los.
da ist jemand erfolgreich ausgewandert Sonnenaufgang über Río de la Plata
Am nächsten Morgen scheint uns der Sonnenaufgang direkt durchs Fenster. Nach dem Frühstück, einem Spaziergang am Fluss und zwei Stunden "Zimmer-Office" brechen wir wieder in die Stadt auf. Wir fangen am anderen Ende an, an der belebten Avenida 18 de Julio und geben uns einer weiteren kulinarischen Spezialität hin: dem Chivito. Was in Argentinien ein gegrilltes Zicklein ist, bedeutet in Uruguay einen großen Burger mit einer Scheibe zarter Rinderlende obendrauf. Die Ein-Mann-Portion, die wir uns glücklicherweise teilen wollen, ist ein riesiger, aufgehäufter Berg aus allem, was man sich auf einem Burger so vorstellt, inklusive zwei Scheiben Rinderfilet.
Reste des alten Stadttors Avda. 18 de Julio
Wir laufen die Avenida weiter, an sämtlichen wichtigen Plätzen vorbei und passen uns dem allgemeinen Rhythmus an, indem wir ständig auf einer schattigen Bank sitzen bleiben und das Treiben beobachten. Nur die hoch beladenen Pferdekarren der vielen Müllsammler- und Recycler passen nicht so recht ins Bild des Stadtzentrums.
an der Plaza Fabini Café Rheingold
Nach der Anstrengung kommt ein Abstecher ins altehrwürdige Café Oro del Rhin (Rheingold) zu Kaffee und Kuchen gerade recht. Die Athmosphäre gleicht eher dem Speisesaal eines Landschulheims in den 80ern, aber der Kuchen ist ziemlich gut.
Plaza Cagancha Estatua de la Libertad
Am Abend nehmen wir ein Taxi zum Restaurant La Casa Violeta, einige Stadtteile entfernt aber immer noch mit Flussblick. Vielleicht dank der Nähe zu Brasilien wird die Parrilla (Grill) hier "a la espada" serviert. Dazu erscheint der Kellner mit einer nicht enden wollenden Folge von Grillagen, die auf einen langen Degen gespießt sind, von dem man dann soviel man möchte auf den Teller geladen bekommt. Angefangen mit Hühnerherzen, Morcilla und Mollejas (knusprige Thymusdrüse des Rinds), über Hähnchenschenkel und Nierchen landet man schließlich bei den üblicheren Teilen von Rind, Schaf und Schwein, weshalb ich mich im Gegensatz zu Markus lieber gleich auf Fisch verlege.
auf nach Colonia Blick vom alten Leuchtturm
Samstag früh verlassen wir Montevideo und nehmen den Überlandbus nach Colonia del Sacramento. Unser Busfahrer hat es nicht eilig und wir werden von allen anderen Linien überholt. Markus schläft wie immer schon auf der Ausfallstraße. Die Landschaft ist sattgrün, flach und links ist immer der braune Río de la Plata zu sehen. Auf den 177km nach Colonia passieren wir auf erstaunlich guter Straße einige verschlafene Dörfer, Felder und immer wieder Palmen.
der Gang zu unserem Zimmer am Yachthafen
Unser Hotel liegt mitten an der Straße, die in die Ciudad Vieja führt. Es ist schön kolonial, mit schattigem Innenhof aber leider etwas laut, da unser Zimmer gleich über der Straße liegt. Markus sieht nach zwei Nächten an der vielbefahrenen Strandpromenade in Montevideo auch seine dritte Nachtruhe schwinden.
Wolken über dem Río de la Plata portugiesische Gasse mit Leuchtturm
Wir laufen gleich wieder los, hier ist das winzige historische Zentrum sehr überschaubar, ein kleines Gassengewirr aus äußerst schlecht verlegtem Felsbrockenpflaster. Was sich die Portugiesen damals wohl dabei gedacht haben? Jeder Gebirgspass ist leichter zu begehen, und das obwohl sich die herausragenden Steinkanten hier schon seit Jahrhunderten etwas abgenutzt haben. Als erstes besteigen wir den kleinen Leuchtturm und bewundern dann die vielen kleinen Plätze und Sträßchen mit Cafés und Bars, sowie die lange Uferpromenade.
da braut sich was zusammen Gewitter über Buenos Aires
Am anderen Ufer gegenüber kann man gerade noch die Hochhäuser von Buenos Aires erkennen. Die weißen Segelboote im schlammbraunen Farbton des Flusses sehen jedoch etwas ungewöhnlich aus. Am späten Mittag wird es so heiß, dass wir auf eine Siesta und eine neue Schicht Sonnencreme ins Hotel zurückkehren.
Reste der alten Stadtbefestigung Kopfsteinpflaster und keine Autos
Nachdem wir später wirklich jeden letzten Winkel der Unesco-geschützten Altstadt erkundet haben, wird es Zeit zum Essen. Wir finden ein kleines Restaurant abseits, in das sich keine Touristen verirren und essen bei guter deutscher Schlagermusik im schummrig-dunklen und dicht begrünten Innenhof. Das Essen ist richtig gut, aber ein rascheln von schräg oben lässt uns etwas zusammenzucken. Markus glaubt noch an Vögel, da sehe ich schon den unmißverständlichen Schatten samt langem Schwanz: an der üppig bewucherten Wand gleich neben tummeln sich ein Stück weiter oben einige Ratten. Ich rücke ein Stück zur Seite und esse den Rest des Lenguado etwas schneller, nicht, dass ich noch Mitesser bekomme. Markus ist erst nicht so beunruhigt, steht dann aber plötzlich auf und will den Tisch wechseln, da ihn "ein Riesenvieh von oben die ganze Zeit anstarrt und da hört der Spaß auf". Wir wechseln hektisch zwei Tische weiter in übersichtlicheres Gelände und klären die Kellnerin auf, die gleich den Chef ruft. Der ist nicht weiter beunruhigt, kann es nicht recht glauben und kehrt schließlich mit einem "wir sind halt auf dem Land" in die Küche zurück. Komischerweise haben sich alle Einheimischen, die mittlerweile eingetroffen sind, in die vielen kleinen Räume verteilt und wir sitzen ganz allein draußen. Die kennen das sicher schon. Wir lassen uns das gute Essen aber nicht vermiesen, es gibt schlimmeres.
Straßenecke in Colonia weiße Boote auf braunem Grund
Da wir heute zurückfliegen, stehen wir rechtzeitig zu Frühstücksbeginn auf, wundern uns aber gleich, warum das Buffet noch nicht steht und niemand sonst zu sehen ist. Beim anschließenden Spaziergang sind die Straßen menschenleer, obwohl es doch schon halb 10 ist. Irgendwann finden wir heraus, dass in Uruguay 2 Wochen früher als in Chile auf Winterzeit umgestellt wird. Hätte man uns im Hotel ja auch drauf hinweisen können. Also verbummeln wir die wenigen Stunden bis zur Abfahrt des Busses, laufen alle Gassen noch einmal ab und liegen dann faul auf einer Bank am Fluss.
der Faro abhängen am Fluß
Unser Bus fährt zum Glück relativ pünktlich ab, denn wir haben einen etwas engen Zeitplan bis zum Start am Flughafen. Am Busbahnhof schnappen wir uns ein Taxi und erwischen einen klapprigen Fiat Uno, dessen Beinfreiheit durch die obligatorische Komplett-Trennung von Fahrer und Fahrgast noch zusätzlich eingeschränkt wird. Der Fahrer gibt sein Bestes und wir fahren eine Abkürzung über Land und unzählige Schweller auf den Straßen, was ein ständiges Vollgas/Vollbremsung zur Folge hat. Am Flughafen checken wir noch rechtzeitig ein, aber dann verstopfen die Passagiere eines ganzen Iberiafluges vor uns die Sicherheitskontrolle. Die Schlange ist endlos und wir werden leicht nervös, aber die Iberia-Passagiere sind noch nervöser, denn die sind vor uns dran. Schließlich klappt wie immer alles doch noch und wir haben sogar Zeit im einzigen Laden zu stöbern, um die letzten Peso auszugeben. Wir starten 20 Minuten verspätet und landen trotzdem 40 Minuten früher als geplant. Da hatte LAN wohl bei unserem Ticketkauf vor einigen Wochen von der Zeitumstellung nichts gewußt. Diesmal fliegen wir über Mendoza ein und erkennen beim Überflug der Anden sogar deutlich den Glaciar Juncal, an dem wir Anfang Januar gewandert sind. Da ich damals den letzten Fluss nicht überqueren wollte, sehe ich den Gletscher so wenigstens in voller Pracht von oben.
Abschied vom Leuchtturm



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