Vallecito

Herbstsonne am Cerro Provincia

31.05.2008

Schlechte Luft über Santiago
Kurze Tage zwingen zu kurzen Ausflügen. Daher verschlägt es uns heute nach Lo Barnechea, einen Teil Santiagos, der sich bis in die Kordillere zieht. Hier beginnt der Camino a Farellones, der in die Skigebiete führt. Die Pisten sind für die diesjährige Saison allerdings noch nicht eröffnet, Start dafür ist diesmal der 5. Juni.
Ein kleiner Abstecher von der Straße führt zur alten, mittlerweile unbenutzbaren Brücke Ñilhue, wo der Ausgangspunkt für die Erwanderung des Cerro Provincia (2.750m) liegt, aber ganz so hoch wollen wir heute gar nicht hinauf.
die Pisten in El Colorado auf dem Weg ins Vallecito
Beim Frühstück zuhause mussten wir noch heizen, aber beim Aufstieg kommen wir in der Sonne gleich ganz schön ins schwitzen. Wie immer geht es ohne Umschweife bergauf. Ich frage mich wie jedesmal, warum in Chile niemand auf die Idee kommt, Wanderwege einmal in größeren Schleifen anzulegen, der Weg wäre dann länger und man hätte mehr davon. Streckenweise muss man hier eher steigen als wandern. Beim Aufstieg erklärt uns ein guía de montaña, den wir zufällig nach dem Weg fragen, dass sie heute eine illegale archäologische Grabung "fiscalisieren" wollen, also auf frischer Tat ertappen, die Polizei sei auch schon unterwegs. Wir begegnen außer ungewöhnlich vielen Ausflüglern aber noch niemanden.
Fotopause am Wasserfall Vallecito von oben
Wir schwitzen uns zum ersten Aussichtspunkt, an dem man einen ungewohnt klaren Blick auf die Pisten von El Colorado und La Parva hat. Beim nächsten Stück verlieren sich immer wieder die Markierungen (immerhin gibt es welche, auch das ist selten) und nach einigem Suchen finden wir den Abzweig zum Vallecito, unserem Ziel. Für chilenische Verhältnisse sind heute wahre Völkerwanderungen unterwegs, ob die alle vor der angekündigten "pre-emergencia" fliehen wollen? Dieses Wochenende werden so schlechte Luftwerte gemessen, wie seit mehreren Jahren schon nicht mehr. Der schlimmste Smog brütet allerdings immer über der Gegend um den Flughafen, also am entgegengesetzten Ende der Stadt.
Ein paar Höhenmeter weiter oben... ...und noch ein letztes Geröllfeld...
Das Vallecito (kleines Tal) entpuppt sich als saftiggrüne Oase an einem Bach, die sich zum picknicken und zelten anbietet. Nach unserer Pause sind wir aber für heute noch nicht ausgelastet und schlagen uns quer über ein Geröllfeld noch höher hinauf, bis wir nach weiteren schweisstreibenden Höhenmetern einen felsigen Platz finden, von dem aus man einen weiten Blick in alle Richtungen hat. Der Smog hängt weit weg über dem Talkessel von Santiago und in die andere Richtung erstrecken sich die beschneiten Anden.
...und dann ist der Ausblick verdient! in der Mitte Cerro Plomo mit 5.424m
Seit einiger Zeit kreist unüberhörbar ein Hubschrauber über dem Tal des Mapocho und ein Blick durchs Fernglas enthüllt ein mittleres Polizeiaufgebot unten am Parkplatz, wo unser Auto steht. Entweder ist jemand ins Wasser gefallen oder die illegalen Ausgraber sind eine so grosse Aktion wert. So hoch, wie der Hubschrauber fliegt, eher letzteres, einen Vermissten kann er aus der Höhe jedenfalls nicht finden.
Als unsere Thermoskanne endlich leer ist, brechen wir auf, aber als wir nach einer guten Stunde wieder unten ankommen, rollen gerade die letzten Carabineros vom Hof.
typische Vorkordillerenlandschaft der Abstieg
Auch ein Blick auf die Internetseite der Tageszeitung El Mercurio enthüllt später leider nicht, was der Anlass für den Aufruhr war.