El Norte Chico - 2. Teil

4.-6.5.2007

pflückreife Kaki am Baum

Freitag

Nachdem Markus' Eltern zwei Tage die Stadt erkundet haben brechen wir Freitag mittag auf in den kleinen Norden Chiles, auf eine Tour die Markus und ich so ähnlich schon einmal gemacht haben, allerdings im Frühsommer, und jetzt im Herbst sieht alles noch einmal ganz anders aus. Um 14 Uhr sammeln wir also Markus an der Bushaltestelle Plaza Italia ein und auf geht's nach Norden. Hinter der ersten Mautstelle halten wir an unserem Zweitlieblingsstand an, um frisch aus dem Ofen kommendes Pan Amasado zu kaufen.
Thermalbad Kaminzimmer
Gepicknickt wird auf der Fahrt, für weitere Pausen ist die Strecke zu lang, 380km bis zum Etappenziel. Auf der Ruta 5 ist mal wieder nichts los, wir kommen schnell voran durch die Felslandschaft vor La Ligua, an der Küste vorbei mit den langen Sandstränden bei Los Vilos und durch erste Ausläufer der kargen Wüstenlandschaft bis wir in ein überraschend grünes Bachtal kurz vor Ovalle abbiegen.
Die einzelnen Badezimmer Thermalbad
Heutiges Nachtlager ist das Hotel Termas de Socos, wo wir schon einmal baden waren auf der letzten Norte Chico Tour. Die Preise haben sich selbst in der Nebensaison (thermal) gewaschen und wir haben daher die günstigsten Zimmer gebucht, da aber nur 2 weitere belegt sind, wurden wir netterweise in die teuren einquartiert. Wir kommen rechtzeitig an um noch ein Thermalbad zu nehmen, es gibt sogar Zweierbadewannen! Anschließend nehmen wir erst einmal einen Pisco Sour im Kaminzimmer, wo ein älterer Herr vor dem Kamin im Stuhl schnarcht, die Zeitung auf dem Schoß.
die Quelle Perlhühner - oder verkleidete Geier?
Ansonsten wohnen hier nur noch zwei deutsche Seniorinnen, die uns gleich freudig auf deutsch begrüßen. Das Essen schmeckt, der Wein auch und nach dem heißen Bad liegen wir auch früh im Bett. Man hört hier höchstens die Vögel und ein leichtes Blätterrauschen, eine willkommene Abwechslung nach Santiago.

Samstag

Bienennest in altem Baumstamm herbstliche Weinfelder
Die Reiseleitung mahnt zum Aufbruch, es gibt noch viel zu fahren. Alle außer mir waren heute morgen schon im Außenbecken schwimmen, aber einer muß ja schließlich die Fotos machen... Nach dem Frühstück wird noch die Vogelwelt bewundert, mit Kolibris, riesig aufgeplusterten Perlhühnern und diversen Singvögeln, dann fahren wir die Ruta 45 weiter bis zum Valle del Encanto.
die 2. Hühnchenspinne Kakteen vor herbstlichem Blau
Die Straße führt durch herbstlich gelbe Weinfelder und leuchtend rot behangene Paprikaplantagen, die so gar nicht in die Wüste passen wollen. Das Licht ist ganz anders als damals im Sommer und man kann nicht aufhören zu fotografieren.
Steinzeichnungen eine Inka-Badewanne
Im Valle del Encanto entdecken wir zuerst eine Araña Pollito ("Hühnchenspinne", die chilenische Vogelspinne) und dann die vielen Steinritzungen für die das Tal berühmt ist. Diesmal finden wir sogar die Bäder der Inka! (siehe auch Bericht "Petroglyphen, Observatorien und mehr") Auch heute ist hier fast niemand unterwegs.
das Valle del Encanto zwischen den Inkabädern
In Ovalle kaufen wir Brot, Käse und Pastrami und picknicken am Embalse Recoleta in der Sonne. Seltsamerweise ballen sich über der Wüste einige Wolken zusammen. Und das, wo es hier doch so gut wie nie regnet!? Das ist doch die Gegend mit der höchsten Sonnengarantie?!
Steinritzungen Markus Vater auf dem Ausguck
Hinter Samo Alto ist die Straße nicht mehr geteert - Markus' Eltern werden ziemlich durchgeschüttelt, und wir sind noch nicht einmal an der alten Passstraße… Unterwegs fotografieren wir noch die Weinbergkühe und mehrfach die Landschaft, mit den dunklen Wolken und dem herbstlichen Licht sieht es sehr unwirklich aus.
Paprikafelder Picknick am Stausee
Ab Hurtado stehen uns dann 42km Passstraße bevor, diesmal brauchen wir fast 3 Stunden, denn auf dem Rücksitz wird man übel durchgeschüttelt wenn wir zu schnell fahren. Teilweise kriechen wir im Schritttempo um die Haarnadelkurven.
Wolkenschauspiel Passstraße nach Vicuña
Dafür bietet sich aber wieder ein schöner Ausblick nach dem anderen und wir treffen sogar auf eine riesige Ziegenherde, die über die Straße strömt. Ich fürchte schon Hufabdrücke in der Tür…
Schaf über dem Zaun herbsliches Licht
Bald gelangen wir zum Aussichtspunkt über Vicuña und sind kurz danach mitten im grünen Tal des Río Elqui. Wir finden unser Hotel, die Hostería Vicuña und sitzen rechtzeitig zum Sonnenuntergang mit dem Pisco Sour in der Hand auf der Terrasse.
bunte Ziegenherde gegenseitiges Beschnuppern
Eigentlich ist für heute abend der Besuch des Observatoriums Mamalluca geplant, aber die Wolken irritieren uns ein wenig. Hier hat man 350 sternklare Nächte im Jahr, heute wird wohl eine der 15 bewölkten… Nach dem Abendessen laufen wir zum Büro des Observatoriums und nach einiger Wartezeit ob sich die Wolke doch noch verflüchtigt, wird die Tour abgesagt. Später erfahren wir, daß es an diesem Wochenende sogar auf der Höhe Copiapó geregnet und in den Bergen geschneit hat. Das passiert so gut wie nie, mehrere Arbeiter mußten aus dem "Schneechaos" gerettet werden.
spektakulärer Blick auf Valle del Elqui
Also werden Markus und ich wohl noch ein drittes Mal ins Valle del Elqui kommen müssen. Seine Eltern haben ja nächste Woche in San Pedro de Atacama noch einen sternklaren Nachthimmel über sich.
Wolken über Vicuña Sonnenuntergang

Sonntag

Am nächsten Morgen nach einem Frühstück als die einzigen Gäste fahren wir zu Capel, einer der beiden großen Piscobrennereien Chiles. Auch hier sind wir die einzigen Gäste und bekommen eine Führung auf gutem Englisch für uns allein.
die Hostería Vicuña Chiles Aushängeschild unter den Piscobrennereien
Nach einer sehr sparsamen Pisco-Verkostung und weniger knauserigem Besuch des Andenkenladens verlassen wir das Elquital (jetzt natürlich wieder bei bestem Wetter) über die Schnellstraße Richtung La Serena. Wir lassen riesige Felder mit Piscotrauben hinter uns zurück.
Piscofelder wohin das Auge reicht Ende des Elquitales
Unterwegs sehen wir Papayaplantagen und Artischockenfelder, die werden alle gerade erst reif. In La Serena geraten wir in unsere zweite Polizeikontrolle. Anschließend machen wir einen Abstecher nach Tongoy, einem Fischerdörfchen wo wir schon einmal übernachtet haben, um dort im gleichen Restaurant Mittag zu essen. Nachdem reichhaltiger Fisch-& Meeresgetierplatte mahnt die Reiseleitung wieder zum Aufbruch, schließlich gibt es noch Programm.
Anfahrt zu den Wolkenbergen Könneckes im Nebel
Eine Stunde später biegen wir zum Nationalpark Fray Jorge ab, laut Reiseführer wird das Tor in einer Stunde geschlossen. Wir jagen 28km über eine Waschbrettpiste, auf die hinteren Passagiere kann jetzt keine Rücksicht mehr genommen werden. Als wir endlich am Tor ankommen erklärt der zahnlose Guardia, daß wir noch 1,5 Stunden Zeit haben. Von weitem sehen wir schon das Wolkenband die sich über der Küstenkordillere ballen, es aber nicht schaffen ins Landesinnere vorzudringen. Hier wird ein kleiner rest valdivianischer Nebelwald geschützt, an der Steilküste steigen die Wolken bis auf knapp 700m auf, verlieren dabei ihre Feuchtigkeit und lösen sich oben auf. Dadurch ist hier ein Stück nebeliger Urwald mitten in der Wüste erhalten geblieben.
blühender Kaktus Fuchsiensträucher
Wir laufen den knapp einstündigen Rundweg mitten durch die Nebelwolken hindurch und sind mal wieder die einzigen Besucher. Leider reißen die Wolken nicht auf, sodaß wir das Meer 700m unter uns nicht sehen können, aber es ist eben Herbst. Trotzdem blüht es noch unerwartet rechts und links vom Weg.
Nebelwald Allein in der Wolke
der Wanderrundweg
Der Rückweg ist auch nochmal spektakulär: aus der dichten Nebelwolke sieht man unten schon die Sonne auf das Land scheinen und je weiter wir die Straße bergab fahren bieten sich immer wieder tolle Ausblicke.
oben Wolke, unten Sonne der Rückweg
die Straße in die Wolke das Wolkenband aus der Ferne
Zurück auf der Panamericana beginnt der langweilige Teil, es wird schnell dunkel und wir haben noch 390km Fahrt nach Santiago vor uns. Kurz vor Santiago geht uns fast noch das Benzin aus, es gibt nur noch Tankstellen auf der anderen Seite der Straße, wo wir nicht hinkommen, aber auf gut Glück fahren wir runter und finden in einer eher zweifelhaften Gegend doch noch eine. Gegen 23 Uhr sind wir zuhause und müssen noch einiges vorbereiten, denn morgen mittag fliegen Markus's Eltern für 4 Tage nach San Pedro, während wir abends erschöpft aufs Sofa sinken werden.

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