Ein Sonntag in Valparaiso

Unsere oft verschobene Tour nach Valparaiso wollten wir an diesem Sonntag endlich nachholen. Wir schafften es also tatsächlich früh aufzustehen und uns gegen 9:30 auf den Weg zum Terminal de Buses zu machen.
Kaum in der vollen Schalterhalle angekommen mußte Markus die Banos aufsuchen während ich mich anstellte, die Karten zu kaufen. Es gibt mehrere Busgesellschaften mit teils unterschiedlichen Zielen, man stellt sich z.B. in die Schlange "Chile Norte" oder "Chile Sur" oder auch "Internacional" einer bestimmten Gesellschaft, nach Valparaiso fahren mehrere Dutzend Busse täglich. Wie sich herausstellte sollte der nächste Bus um 10 Uhr starten, als ich die Karten bezahlte war es bereits 9:59 und Markus saß noch auf irgendeinem Bano! Ich hetzte also auf der Suche nach ihm durch die Hallen und sah ihn endlich am anderen Ende die Treppe herunterschlendern. Wenn etwas sogar in Chile pünktlich ist, dann sind es die Überlandbusse! Wir schafften es also gerade noch zum Bus, kaum saßen wir rollte er auch schon los.

keine Bomben sondern Pumpen

Die Fahrt dauert knapp 2 Stunden, Valparaiso liegt etwas nordöstlich an der Küste. Es gibt immer einen Fahrer und einen Assistenten, der die Karten kontrolliert, die Haltestellen ansagt oder auch schon mal kalte Getränke verkauft und bei Bedarf das Klo aufschließt. Ist der Bus nicht so voll, merkt der Assistent sich sogar wer wo aussteigt und gibt dann persönlich kurz vorher Bescheid daß man seine Sachen zusammensuchen soll. Die Fahrt ist recht unspektakulär, es gibt eine gut ausgebaute mehrspurige Straße (eine der wenigen abgesehen von der Panamericana bei Santiago) und man fährt erstmal gut 500 Höhenmeter nach unten auf Meereshöhe. Hat man Santiago hinter sich gelassen fährt man durch (momentan noch) grüne Hügel, es ist noch einigermaßen dicht besiedelt und man sieht auch schon einige Weinebenen. Weinberge sind hier weniger üblich, die Sonne brennt die nächsten Monate ununterbrochen, da muß man die Reben nicht am Hang zur Sonne ausrichten. Ungewöhnlich sind nur die vielen Palmen und Kakteen, die uns noch so unpassend vorkommen...

Kurz vor Valparaiso kurvt man endgültig auf Meeresniveau hinunter und ist schon mittendrin. Die Stadt (mit 280.000 Einwohnern die 4.größte Chiles) zieht sich bunt geschachtelt entlang der recht steilen Hänge um eine Bucht herum. Nur das Zentrum und wenige Blocks rechts und links sind eben, den Rest muß man erklettern oder einen der 16 Schrägaufzüge nehmen.
Die Aufzüge stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und sehen auch noch genauso aus. Angeblich sind sie fast wartungsfrei, es ist aber ein komisches Gefühl in der alten Holzkabine mit 25-70% Steigung nach oben zu rattern. Man zahlt ca. 30 Cent und wartet dann bis sich die Kabine angemessen füllt und der Aufzugswärter loslegt.

Wir haben uns zunächst die Plaza angeschaut mit dem Denkmal für die Helden der Seeschlacht von Iquique. Dort trafen wir auch einen deutschen Ingeneur, der sich hier niedergelassen hat und der Feuerwehr (alle Feuerwehren in Chile sind freiwillig) hilft. Es gibt immer einen, der bei der Wache wohnt und dafür (Vollzeitjob) ca. 300 Euro pro Monat bekommt, der Rest macht das nebenher oder auch wenn es sonst keine Jobs gibt. Dafür genießt die Feuerwehr in Chile aber auch mit das höchste Ansehen von allen Institutionen.
Man konnte sich also in einem alten Feuerwehrauto fotografieren lassen und dafür etwas spenden, oder auch eine Stadtführung machen, dafür hatten wir aber an diesem Tag keine Zeit.

Im Hafenviertel sah man das Containerlager, in dem auch unser Container gelandet sein muß und die Zollgebäude. Auf der Suche nach Mittagessen sind wir aber dann mit einem der Aufzüge in den höheren Teil der Stadt gefahren und haben dort ein nettes Restaurant mit Terrasse und Meerblick gefunden. Da es zu heiß war um viel mehr zu tun, haben wir uns eigentlich den halben Nachmittag dort im Schatten aufgehalten...

Der obere Teil der Stadt besteht noch aus vielen schönen Holzhäusern und kleinen Gassen mit vielen Cafes und hübschen Ecken. Da wir uns zum Glück nicht wie Touristen beeilen müssen, alles zu sehen haben wir uns noch einiges für den nächsten Besuch aufgespart und sind gegen 17 Uhr wieder mit dem Bus nach Santiago zurückgefahren.