Staatlich verordnetes Stromsparen

oder: Dürre durch La Niña

13.02.2008

Die El Niño Infoseite im Internet erklärt uns folgendes:
La Niña ist das entgegengesetzte Wetter-Phänomen zu El Niño. Es tritt meist im Anschluss an ein El Niño- Ereignis auf. Dabei kühlt sich das Oberflächenwasser im äquatorialen Bereich des Ostpazifiks überdurchschnittlich ab, wo sich zuvor die von El Niño verursachte Warmwasserzunge befand. Die Abkühlung wird durch einen hohen Luftdruckunterschied zwischen Südamerika und Indonesien verursacht. Als Folge davon werden die Passatwinde verstärkt angetrieben und große Mengen Wasser nach Westen getrieben, und so in den Auftriebsgebieten vor Südamerika vermehrt kaltes Wasser an die Oberfläche transportiert. Die Wassertemperaturen können dabei bis zu 3°C unter den Normalwerten dieser Gebiete sinken. Bei einem La Niña-Ereignis kann man generell sagen, dass die typischen Klimaverhältnisse einer Gegend noch verstärkt werden.

Der trockene Sommer in Chile wird also noch trockener, nachdem der letzte Winter schon nicht sehr regenreich war. In 2008 hat es bei uns in Santiago bisher nur zweimal kurz genieselt und im Süden haben wir bisher die gleichen Temperaturen und trockenes Wetter wie hier erlebt, obwohl man normalerweise im südchilenischen Sommer immer mit Regen rechnen sollte.
Die Zeitungen sprechen seit einiger Zeit schon von einer regelrechten Dürre. Der letzte Winter hat die Wasserreservoire in den Anden nicht ganz aufgefüllt und die Pegel der Stauseen sind schon dramatisch gesunken (siehe unser Bericht "Laguna del Maule": der halbleere Lago Colbún wird täglich aus dem höher gelegenen See nachgefüllt.) Es ist zwar noch keine Trinkwasserknappheit zu befürchten und die Vorgärten und Rasenflächen in Santiago werden weiterhin mehrfach täglich ausgiebig bewässert, aber in den Gemüse- und Obstanbauflächen der Zentralzone herrscht von der IV. bis VIII. Region Wasserknappheit für die Felderbewässerung. In den Regionen werden "Fiscales" (etwa vergleichbar mit Beamten) eingesetzt, die die Wasserentnahme überwachen und illegale Entnahme verhindern sollen. Der niedrige Wasserstand der Stauseen bewirkt auch, daß der hauptsächlich aus Wasserkraft erzeugte Strom allmählich knapp wird. Dagegen hat die Regierung jetzt drei Maßnahmen ergriffen:
- Reduzierung der Stromstärke um 2,5-5%
- Aufruf an die Bevölkerung, Strom zu sparen und Energiesparlampen einzusetzen
- Verteilung von kostenlosen Energiesparlampen an die 500.000 ärmsten Haushalte des Landes.

Bei soviel Initiative blieben Markus und ich natürlich nicht untätig und haben gleich ein paar eigene Maßnahmen ergriffen:
Im Baumarkt haben wir weitere (in Chile viel günstigere) Energiesparlampen namhafter Hersteller erstanden. Osram ist im Baumarkt "Sodimac" leider gerade vergriffen, denn die werden der Regierung für die Verteilaktion zur Verfügung gestellt.
Dann haben wir einige der letzten Energiesünder, die sich allerdings schon vor unserem Einzug in der Wohnung befunden haben, ausgeschraubt. (Die werden allerdings bei Auszug wieder eingeschraubt, die guten Philips & Co. kommen mit in den Container!)
Im Kleiderschrank herrscht jetzt Tageslicht, da wir uns etwas im Farbton der Lampe vergriffen haben. Jetzt kann man dafür endlich wieder die tatsächliche Farbe der Kleidungsstücke erkennen.
Der letzte verbleibende Strahler im Flur wurde radikal um die Hälfte reduziert.

Damit jetzt aber niemand auf die Idee kommt, die Deutschen in Chile hätten sich bis zum aktuellen Stromsparaufruf der Präsidenta als Energiesünder betätigt, stellen wir nachfolgend unsere bisherigen Maßnahmen vor:
Aus 3 mach 1: Stromsparen im Gästebad. Die hier bereits eingebauten Strahler hatten teilweise eine Stärke von 100 Watt, damit man bei einer Gesamtstrahlkraft von 300 Watt die Krähenfüße noch besser erkennen kann.
Im baño principal (Hausherrenbad) wollten wir die Krähenfüße und sonstige Unerfreulichkeiten im Gesicht auch nicht genauer betrachten und haben daher schon vor längerer Zeit den zweiten Strahler über dem Spiegel und den Scheinwerfer über der Toilette herausgedreht. Da will nun wirklich niemand genauer hineinschauen. Zudem hängt dieser dank fachmännischer Anbringung wie ein Damoklesschwert über der Kloschüssel:
Sollte der Effekt der Energiesparlampen landesweit nicht ausreichen, werden wir wohl weiteren und drastischeren Sparmaßnahmen ausgesetzt sein. Vor einigen Jahren saß ganz Chile dank La Niña abends zeitweise im Dunkeln.

Eine informative Seite zum Thema La Niña/ El Niño ist: www.elnino.info