Wohnungssuche 2. Teil

Nachdem wir Dienstags erfahren haben, daß die Wohnung, die wir uns ausgeguckt hatten, nicht mehr zu haben war (sie wurde am Samstag gleich gemietet, Markus hatte doch etwas zu lange gezögert), ging es gleich weiter mit neuen Terminen.
Für den Dienstag hatten wir eine Besichtigung um 15:45, in der gleichen Gegend Providencias, die uns schon sehr gefallen hatte. Wir trafen uns mit Karen am Gleis der Metrostation Tobalaba, um von dort gemeinsam loszuziehen. Am Haus angekommen, öffnete der Conserje, sagte aber gleich daß er keinen Schlüssel habe. Dieser sollte jedoch bei ihm hinterlegt sein. Karen telefonierte der Vermieterin hinterher, die sich jedoch nur als Vertretung erwies, die Vermieterin sei in Urlaub, alles war kompliziert und ein Mißverständnis, wir könnten die Wohnung frühestens am nächsten Tag anschauen. Das war ja weniger erfolgreich. Das Haus machte aber einen guten Eindruck, vielleicht lohnte es sich ja doch zu warten.
Am nächsten Morgen rief Karen wie vereinbart an und hatte für den Nachmittag 4 Termine ausgemacht. Also wieder an der Metro getroffen und los ging's.
Die erste Wohnung lag an der viel befahrenen Avda. Providencia und der Eingang befand sich in einer kleinen Einkaufspassage. Ich finde, der erste Eindruck ist der Conserje, und die können ziemlich unentgegenkommend sein. Dieser hier taute auch erst nach Karens Einführungsrede auf und geleitete uns in die 4. Etage. Der Aufzug war auch schon nicht mein Geschmack, das ganze Gebäude recht alt. Die Wohnung war groß, mit Parkettboden, das war aber auch das einzig positive. Es muffelte, und die Bäder waren in einem vorsintflutlichen Zustand und in einer ebensolchen Farbe gehalten, die Küche, die als komplett eingerichtet angepriesen wurde, war uralt und der Herd war eines der ersten Modelle seiner Art. Der Blick ging zwar nach hinten, man sah aber nur Häuserrückseiten und einen Parkplatz. Nichts für uns!
Weiter ging's zu Wohnung Nummer 2. Das Haus machte schon einen besseren Eindruck, aber der Conserje war mir gleich wieder unsympathisch. Ja, er habe den Schlüssel, aber er dürfe niemanden hochlassen, da der Teppich heute morgen gereinigt worden sei. Noch nicht mal hineinschauen lassen wollte er uns. Karen telefonierte wieder wild um den Besitzer zu erreichen, in der Zwischenzeit gingen wir schon mal zu Wohnung Nr. 3.
Dies war nun die Wohnung von gestern. Hier war der Conserje sympathischer. Schließlich muß man mit dem gut auskommen. Es sollte uns jemand hier treffen um uns aufzuschließen. Nach 15 Minuten telefonierte Karen wieder und diskutierte mit dem Conserje. Es stellte sich heraus, daß dieser Mensch schon die ganze Zeit oben in der Wohnung wartete. Bienvenidos a Chile! Manches ist etwas unorganisiert. Wir also hoch, die Wohnung angeschaut und waren angenehm überrascht (ich wußte, es würde sich lohnen). 3 Zimmer, 3 Bäder, ein Dienstmädchenzimmer, Küche nicht neu, aber neutral inklusive Herd, nur der Kühlschrank fehlte, und ein Balkon mit einem Blick auf die Anden! Balkon und Fenster zeigten nach Süden/Osten, das wäre in Deutschland von Vorteil, hier steht die Sonne mittags leider im Norden... Dazu teils Parkett und teils Laminat. Die Bäder waren auch akzeptabel, eins mit einer Wanne für kleine Europäer und das andere mit einer Wanne für kleine Südamerikaner (darin könnte ich maximal sitzen und Markus ein Fußbad nehmen). Naja, eine Dusche gibt es auch noch. Einziger Nachteil: Gegenüber befand sich eine Baustelle, und dank verbreiteter Einfachscheiben war diese auch nicht zu überhören.
Jetzt war eine schnelle Entscheidung gefordert, denn der nächste Termin betrat die Wohnung. Markus konnte sich noch nicht zu einer Aussage durchringen, er ist nunmal nicht für schnelle Entschlüsse. Diplomatisch schlug ich vor, beim Conserje nach den Arbeitszeiten der Bauarbeiter zu fragen. Also wieder hinunter, dieser hatte schon einen Zettel mit den Zeiten parat: Mo-Fr 8-19:30 und Sa 8-14 Uhr. Dafür seien sie aber in Verzug und hätten schon Vertragsstrafe zahlen müssen. Außerdem würden sofort die Nachbarn die Stadt anrufen, wenn die Arbeiter nicht um 19:31 den Hammer fallen lassen würden. Das ganze sollte noch genau 3 Monate dauern.
Markus zweifelte immer noch, aber ich konnte ihn schließlich überzeugen. 3 Monate seien übersichtlich, das Schlafzimmer ging nach hinten, Baustellen könnten überall aus dem Boden schießen, aber der Andenblick sei unverbaubar.
An der nächsten Straßenecke durfte Karen bereits den Vermieter anrufen!
Wir verabredeten uns für den nächsten Tag, bis dahin wollte sie versuchen den Vertrag zu bekommen um zu sehen was die Bedingungen seien.
Donnerstags wurde uns der Vertrag schon morgens von Chile-Inside zugeschickt. Zum Glück nur 3 Seiten auf Spanisch! Erstmal übersetzten wir alles nötige. Der Vertrag schien bis auf einige merkwürdige Klauseln in Ordnung:
- zum Abschluß benötigt man eine Kaution von 2 Monatsmieten
- einen Bürgen mit Gehaltsnachweis, welches freundlicherweise Markus' Chef übernommen hat, samt Bankauskunft
- man selber benötigt einen Gehaltsnachweis der letzten 2 Monate, einen Nachweis über die Anstellung und seine Steuernummer
- dann wird alles dem Anwalt vorgelegt und notariell beglaubigt, mit Fingerabdruck natürlich
- bei Mietverzug werden pro TAG 5% Zinsen fällig
- Die Miete wird quartalsweise an den steigenden Preisindex angepaßt, ebenso die Kaution


Der Termin sollte eigentlich am Freitag stattfinden da Markus Montag bis Mittwoch in Peru ist. Jetzt habe ich am Montag einen Termin beim Notar, mit dem Bürgen und der Vermieterin.
Wir werden berichten.