Wohnungssuche letzter Teil

Nachdem wir uns letzte Woche Hals über Kopf für eine Wohnung entscheiden mußten (der Besichtigungstermin nach uns stand ja schon in den Startlöchern) konnten wir uns die nächsten Tage erstmal wieder zurückfallen lassen, denn so schnell man sich auch entscheiden muß, die Formalitäten lassen sich in Chile auch nicht schneller erledigen als bei uns.
Mittwochs zugesagt, Donnerstag früh kam der Vertrag - da können wir Samstags einziehen, freuten wir uns bereits. Es war aber alles viel komplizierter...
Markus besorgte die nötigen Unterlagen: Anstellungsbescheinigung, Gehaltsnachweis, Fotokopie von Pass und RUT, einen Bürgen mit samt Anstellungsbescheinigung, Kopie von Ausweis und RUT, und nun brauchten wir noch die erste Miete sowie zwei Monatsmieten Kaution.

Donnerstag - Schweißperlen am Automaten

Da wir noch kein chilenisches Konto hatten, welches wir erst eröffnen können wenn wir den chilenischen Personalausweis haben, blieb nur der Gang zum Geldautomaten. Bei einem Tageslimit von 300.000 CLP mußten wir 3x gehen, mit zwei verschiedenen Karten aufgrund der Kürze der Zeit. Bei der ersten Bank schob Markus seine Karte frohgemut in den Automaten, um dann mit der Meldung "tarjeta no valida para este servicio" abgewiesen zu werden. Nach 3-maligem Drücken verschiedender Tasten und Beträge bekamen wir immer noch keinen Peso.
Jetzt wurden wir doch nervös, denn wenn die ec-Karte nicht funktioniert, und Markus keinen PIN für die Kreditkarte hat, und damit nur noch meine Visa Karte mit einem bereits halb ausgeschöpftem Monatslimit bliebe - wie sollten wir dann umgerechnet 1200,00 € auftreiben? Pikiert schaute Markus kurz darauf zu, als ich beim ersten Versuch mit meiner Karte ein riesiges Bündel Geldscheine erhielt. Also unauffällig das Geld versteckt, mich zum Hotel eskortiert, dann zog er aus, einen ihm wohl gesonneren Geldautomaten zu finden. Wenig später traf er erleichtert ebenfalls mit einem Bündel Scheine wieder im Hotel ein. Am nächsten Tag holten wir noch eine Runde Scheine und hatten die geforderte Summe zusammen. Das Geld wurde im Safe verstaut und wir überlegten uns ein neues "für Hotelpersonal unauffindbares" Versteck für den Schlüssel.

 600.000 Peso


Soweit so gut. Mit Karen hatten wir ausgemacht, den Vertrag entweder Freitag abend oder spätestens Samstag früh zu unterschreiben, da Markus ab Sonntag bis Mittwoch abend nach Peru fliegen sollte. Die weitere Geschichte haben wir der Übersicht halber in Stichpunkten zusammengestellt, da der Umfang sonst den Rahmen sprengen würde:

Freitag

-es beginnt das Warten auf den Termin zur Unterschrift
-Karen versucht, den Anwalt, die Vermieterin, uns, den Bürgen und sich selbst zu koordinieren
-der Anwalt schaltet sein Handy aus und ist erst um 15:30 im Büro erreichbar
-wir telefonieren mehrfach mit Karen, die ihrerseits versucht den Anwalt zu erreichen
-letztendlich stellt sich heraus, daß die Vermieterin noch im Urlaub ist und wir daher wohl erst am Montag unterschreiben können
-unser Vorschlag wäre, daß Markus schon heute oder Samstag unterschreibt, die Vermieterin erst am Montag
-wir werden auf Samstag vertröstet

Samstag

-Karen richtet aus, daß der Termin heute auch nicht zustande kommt, aber es möglich wäre, daß der Bürge am Montag unterschreibt, damit ich die Schlüssel bekomme und Markus am Donnerstag unterschreibt
-wir sind frustriert von der nicht vorhandenen Flexibilität chilenischer Anwälte und Vermieter

Sonntag

-Markus fliegt nach Lima
-ich übe mich in Geduld bis zum folgenden Montag

Montag

-ich warte den ganzen Vormittag im Hotel auf Karens Anruf und den Termin zur Unterschrift
-gegen Mittag rufe ich sie entnervt an, um zu erfahren, daß sie den Anwalt immer noch nicht erreicht hat
-ich vertröste Markus Chef, der abrufbereit für die Bürgschaft zur Verfügung steht
-Karen erreicht um 16:00 den Anwalt, der mittlerweile seine Meinung geändert hat: er will nun doch auf Markus persönlich warten, sprich bis Donnerstag
-ich bekomme schlechte Laune, da ich den ganzen Tag sinnlos im Hotel sitzen mußte und ärgere mich über unsere Machtlosigkeit als der Sprache nicht ausreichend mächtigen
-da wir das Gefühl haben, daß sich Karen von dem Anwalt einschüchtern läßt, mache ich ihr am Telefon ziemlich deutlich, daß ich am Mittwoch früh aus dem Hotel ausziehen muß, und definitv morgen die Schlüssel brauche
-spätnachmittags mache ich mich noch auf den Weg zu zwei Matratzengeschäften, die wir in den gelben Seiten gefunden haben, um wenigstens noch die dringend benötigte Matratze zu finden. Die Adresse ist Irrazazaval 1809 und 2763 auf der gleichen Straße. Bei Hausnummer 100 steige ich aus der Metro - jeder Block bedeutet hier 100 Nummern, also sind es 20 Blocks. Ich mache mich zu Fuß auf den Weg und finde nach geraumer Zeit einen Hinterhofladen, der einige verstaubte Matratzen verkauft. Der Marsch zur 2. Adresse ist erfolglos - die Hausnummer und damit auch der Laden existieren nicht! Ich nehme einen Bus zurück und finde per Zufall ein "Rosen" Outlet - der teuerste Matratzenanbieter, den wir bisher gefunden haben. Hier finde ich den Porsche unter den Matratzen - 38cm hoch, mit Latex Auflage (sonst gibt es nur Federkern) und dem Namen "Equilibrium". Es gibt aber nur noch 2, die von 402.000 auf 310.000 runtergesetzt sind. Da ich noch nicht an die Schlüsselübergabe glaube, bleibt mir nur die Hoffnung daß es sie auch in ein paar Tagen noch zu dem Preis gibt.

Dienstag

-Markus ist immer noch in Lima und mir geht die Geduld aus, tatenlos im Hotel zu sitzen
-mir ist alles egal und ich fahre mit Metro und Bus zum Einkaufen, um die nötigsten Dinge für die leere Wohnung zu besorgen bis unsere Kartons kommen
-als ich gerade die Handtücher bezahle ruft Karen an und braucht dringend die Bankdaten vom Bürgen, sie stellt sogar einen Termin für den Nachmittag in Aussicht, sobald die Daten da seien
-entnervt mache ich mich nach einer halben Stunde in der Mall auf den Rückweg in die Stadt und versuche Markus Chef zu erreichen
-nach mehreren erfolgslosen Versuchen schicke ich ihm eine Mail und hoffe auf baldige Antwort
-zwei Stunden später gehe ich frustriert wieder zum einkaufen, da vom Bürgen keine Antwort kommt, der Termin heute wird wohl nicht mehr stattfinden
-an der Kasse beim bezahlen des Wassertopfs ruft Karen wieder an und sagt sie bräuchte die Daten dringend
-ich mache mich auf den Rückweg ins Hotel und erreiche endlich Markus Chef, er verspricht die Daten sofort zu schicken, was aber erst gegen 19 Uhr geschieht - ein weiterer Tag ohne Unterschrift

Mittwoch

-Markus ist immer noch in Lima
-ich habe mich resigniert auf Donnerstag zur Schlüsselübergabe eingestellt
-Karen ruft an und kündigt einen Termin am frühen Nachmittag an, sowie, daß der Anwalt Markus Arbeitsvertrag in Frage gestellt hat, weil dort nicht sein Name sondern nur die Passnummer steht. Eine Passkopie liegt ihm aber vor.
-ich rufe Markus Chef an, wann er denn Zeit hat und stelle mir vor, wie er mich schon innerlich verflucht
-nach weiterer Koordination sollen wir uns um 15:00 beim Notar in der Stadt einfinden
-ich bestelle Markus Chef per sms um 14:45 dorthin
-ich bin um 14:45 dort und warte bis 15:05 auf ihn vor dem Notar
-der Angestellte sucht erfolglos nach dem Vertrag
-eine andere Angestellte findet ihn schließlich auf ihrem Tisch
-Markus Chef unterschreibt und setzt seinen Fingerabdruck darunter
-ich mache mich auf den Weg zu Karen ins Büro - um 18 Uhr sollen wir beim Anwalt in Las Condes sein um die Kaution zu bezahlen und die Schlüssel zu übergeben
-wir fahren mit der Metro und dann mit dem Bus nach Las Condes, ich bin wohlweislich mit dem Stadtplan bewaffnet
-Karen läuft zweimal in die falsche Richtung und wird hektisch, da wir schon zu spät sind - warum hat sie mich nicht früher zu sich bestellt?
-nach 20 Minuten im Laufschritt erreichen wir schweißgebadet das Marriott Hotel, wo der Herr Anwalt im 16. Stock äußerst nobel residiert
-nach dem ganzen Hin und Her stellen wir uns das Treffen höchst unerfreulich vor, werden dann aber von einem freundlichen 65-Jährigen empfangen. Der Termin dauert 20 Minuten, wovon 5 Minuten auf Geld zählen, 1 Minute auf Schlüsselübergabe und 14 Minuten auf unnötigen Smalltalk entfallen. Plötzlich ist alles gar kein Problem, nie gewesen, natürlich kann Markus auch erst nächste Woche unterschreiben, der arme muß ja ausschlafen nach der langen Reise nach Peru, Erinnerungen an seine eigene Reise nach Berlin und Leipzig irgendwann in der 70ern werden wach, 3 Brocken deutsch hervorgekramt, Anekdoten erzählt, die Bachkonzerte gelobt, die Sauberkeit und Schönheit der Städte im Allgemeinen und Leipzigs im Besonderen gelobt, etc., etc., ... Wir sind froh als wir endlich draußen sind und nach die einwöchige Anstrengung überstanden ist.
-am nächsten Morgen um 10 soll Übergabe sein, allerdings schickt Karen später noch eine sms, daß der Termin nun doch auf 9 vorverlegt wurde!
-ich berichte Markus am Telefon geschwächt von der erfolgreichen Schlüsselübergabe, und er beauftragt mich, gleich noch die Matratze zu besorgen - was ich mit einem Hinweis auf die Uhrzeit auf morgen verschiebe.

Donnerstag

-Markus landet um 3:30 nachts aus Lima mit 2 stündiger Verspätung und hat um 8:30 keine Lust mit zur Übergabe zu kommen
-ich fahre allein und alles läuft wie geplant
-anschließend holen wir endlich unsere chilenischen Personalausweise ab und unterschreiben auf dem Rückweg den Mietvertrag, dieser wird uns, sobald die Vermieterin unterschrieben hat zugestellt

Freitag

-morgens bestellen wir ein Taxi, das uns mit dem kompletten Gepäck in die Wohnung bringen soll. Nach 20 Minuten Wartezeit in der Lobby stellt sich heraus, daß das Taxi ebenfalls seit 20 Minuten in der Tiefgarage wartet (?)
-endlich ziehen wir ein, stellen alles nur ab und machen uns gleich darauf auf den Weg zum Matratzenkauf. Sie ist tatsächlich noch da und eine Lieferung am gleichen Nachmittag wird uns versprochen


-als um 19:30 die Lieferung immer noch nicht eingetroffen ist, sagen wir dem Conserje Bescheid und gehen Putzmittel und eine kulinarische Grundausstattung einkaufen
-nachdem wir auf dem Heimweg schon überlegt haben wo wir schlafen, sollte die Matratze nicht angekommen sein, erwartet uns der Conserje aber mit der frohen Nachricht
-Markus putzt notdürftig die Küche um etwas zu essen machen zu können und ich wische 3x das Schlafzimmer (das Wasser ist auch nach dem 3. Mal noch schwarz!) bevor wir endlich unser Nachtlager hereintragen und uns auf unserem einzigen Möbelstück niederlassen können.

vorher... nachher...


Das Ereignis wurde gebührend mit einer Flasche Rotwein gefeiert! :-)


Blick vom Balkon Haus von rechts Haus von links

Hier noch einige Eindrücke der (noch) leeren Wohnung:
Wohnzimmer mit Balkon Wohnzimmer Schlafzimmer mit Wandschrank und Bad
Gästezimmer Blick aus der Loggia durch die Küche Blick in Küche und Loggia

Jetzt fehlen nur noch die Möbel...